Die Gemeinnützige Bau- und Siedlungs­genossen­schaft Herborn besteht nun seit 70 Jahren

Politik müsse Preistreiberei beenden

Zur Mitgliederversammlung 2017 und zu ihrem 70. Geburtstag hat die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Herborn eG (GBS) für Mittwoch in die Herborner Konferenzhalle eingeladen.

Foto: Ehrung GBS

70 Jahre Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Herborn: Mit großem Interesse verfolgten über 200 Mitglieder und Gäste das Jubiläumsprogramm. (Foto: Gerdau)

Die GBS hält derzeit mit 1315 Mitglieder den höchsten Bestand seit Gründung, berichtete Geschäftsführer Mark-Thomas Kling. Die Tendenz sei weiterhin steigend. Dies sei auf den Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum und dem Interesse vieler Menschen aus dem Umland nach Herborn zu ziehen geschuldet.

Er forderte die Politik auf, „endlich mit der Preistreiberei und der Selbstbedienung bei den Energieträgern Schluss zu machen sowie die Anforderungen der Energiesparverordnung nicht noch weiter zu verschärfen“. Vom Land Hessen erhoffe er sich eine Reform der Wohnraumförderung, „die letztlich wirklich breite Schichten der Bevölkerung erreiche“.

Die GBS betreibe derzeit 927 Wohneinheiten. Die neuesten Projekte seien das 7000 Quadratmeter große Berkenhoff-Grundstück im Herborner Hinterthal, auf dem mittelfristig weitere barrierefreie Wohneinheiten entstehen sollen, und ein Nahheizsystem für die Wärmeversorgung zahlreicher Wohneinheiten auf dem Herborner Schießberg. Dies wird gegenüber der Kita in der Mozartstraße entstehen und mit Gas betrieben werden.

Das 2012 von der GBS und dem Dillenburger Bauverein gegründete Dienstleistungsunternehmen ImmoDill Service GmbH ist seit dem vergangenen Jahr ganz in Händen der GBS Herborn und der Stadtwerke Herborn. Die Dillenburger Wohnbau hat ihre Anteile entsprechend veräußert.

In einem von Martina Hofmann moderierten Podium mit dem Vorstandsmitglied des Regionalverbandes VdW Südwest Claudia Brünnler-Grötsch, Mark-Thomas Kling, Herborns Bürgermeister Hans Benner (SPD) und Landrat Wolfgang Schuster (SPD) wurden die Debatte über die Wohnraumsituation vertieft. Schuster sprach sich sehr vehement für den ländlichen Raum mit Vorzügen wie bezahlbare Wohnungen aus. Jedoch sei der auch sehr verwöhnt. So sei es heute fast ein Verstoß gegen die Menschenrechte, wenn verlangt würde, ein Dorfgemeinschaftshaus in einem anderen Dorf zu benutzen, sagte er überspitzt. Hier seien Bürgermeister aber auch Landräte gefragt, die diese Dinge beherzt anpackten.

Schuster warb dafür, vor der Demografie keine Angst zu haben und die Zukunft entsprechend zu gestalten. Hier sei die GBS mit ihren barrierefreien Wohnungen schon ein großes Stück weiter und verdiene entsprechendes Lob.

Benner: Nicht jedes Bürgerhaus halten

Hans Benner sagte, dass rund um den Hessentag große Summen investiert worden seien. Das mache man nicht, wenn man keine Chancen in der Fortentwicklung sehe. Er räumte jedoch ein, dass die Kernstadt ihren Einwohnerstand zuungunsten ihrer umliegenden Stadtteile stabil halte. Dies sei auf die dort nicht besonders attraktive Infrastruktur zurückzuführen. Und: „Wir werden in Zukunft nicht jedes Bürgerhaus halten können. Da müssen Lösungen gefunden werden.“

Karin Hendriks verlässt aus beruflichen Gründen zum 1. Juli den Vorstand der GBS. Nachfolger wird Michael Benner. Dessen Platz im Aufsichtsrat nimmt Lars Heidemann ein. Aufsichtsratsmitglied Jürgen Bepperling wurde bestätigt. (sig)

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Ehrung für langjährige Mitglieder der Bau- und Siedlungsgenossenschaft: (v.l.) Geschäftsführer Mark-Thomas Kling zeichnete für 25 Jahre stellvertretend Ida Schneider und Mete Kücük sowie für 50 Jahre Hannelore Horne aus. Auch Jürgen Bepperling gratulierte. (Foto: Gerdau)

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Podiumsdiskussion: (v.l.) Martina Hofmann, Claudia Brünnler-Grötsch, Wolfgang Schuster, Hans Benner, Mark-Thomas Kling (Foto: GBS)

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Die letzten 20 Jahre GBS im Rückblick (Foto: GBS)